Ansicht 26 – Gekommen um zu bleiben

Von Hietzing bis nach Favoriten

Seit 8 Jahren lebe ich nun in Wien und schon lange weiß ich, ich bin gekommen um zu bleiben.

Als ich vor 3 ½ Jahren von Hietzing nach Favoriten umgezogen bin, haben das viele Wiener Freunde nicht verstanden. „Wie kann man nur vom 13. In den 10. Bezirk übersiedeln?“ „Welch ein Abstieg!“ Eine Bekannte meinte halb tröstend, halb fragend: „… auch im 10. gibt es doch schöne Ecken!?“ Worauf ich antwortete: „Ja schon, aber da ziehen wir nicht hin :) !“

„Schön“ kann man die Troststraße wirklich nicht nennen, aber bunt, lebendig und sehr praktisch – all das, was ich in Hietzing vermisst habe. Von der Apotheke über Lebensmittelgeschäfte aller Art bis zu Bank und Post ist alles gleich ums Eck. Die Menschen, denen man in der Tram und auf der Straße begegnet, haben unterschiedlichste Hautfarben und tragen verschiedenartige Kleidung. Komplett verhüllt existiert hier neben Hotpants. Vom grün gefärbten Sidecut der Studentin bis zum Patka der kleinen Sikh-Buben sind alle möglichen Haartrachten und Kopfbedeckungen zu bewundern. Auch sprachlich ist Favoriten sehr bunt. Neben breitem Wienerisch sind Türkisch, Arabisch, Serbisch zu hören und alle möglichen Sprachen die ich nicht zuordnen kann. Da falle ich mit meinem hochdeutschen Akzent, den ich auch nach 8 Jahren nicht verbergen kann, nicht weiter auf. Und auch mit meiner Affinität zum Nahen Osten, wo ich 2 Jahre gelebt habe, fühle ich mich hier sehr zu Hause.
Die Verkehrsanbindung zu meinem Arbeitsplatz und zur Innenstadt ist viel besser als im 13. Bezirk. Wir haben hier unser Auto abgeschafft und leihen uns eins bei Bedarf. Und wenn ich Lust auf Natur haben ist der Wienerberg nicht weit. Auch die GB*10, die Anker-Brotfabrik und die vielen Kunst- und Nachbarschaftsinitiativen machen das Leben in Favoriten für mich lebenswert.

Also ist alles perfekt, so wie es ist?

Nicht ganz! Ein paar Wünsche bleiben noch offen: 
Ich wünschte mir, dass Mitbewohner, die ausziehen, nicht so oft ihre alten Matratzen, kaputten Kühlschränke und zerschlissenen Sessel in unserem Hinterhof vergessen würden…

Ich wünschte mir, dass es in der Fahrradweg-Wüste Favoriten nicht so gefährlich wäre mit dem Rad zu fahren und die nächste Citybike-Station nicht erst am Hauptbahnhof wäre…

Ich wünschte mir, dass es weniger leer stehende Gassenlokale gäbe und dass sie nicht so oft von Wettbüros und Handyläden, sondern mehr von netten Geschäften mit unterschiedlichstem Angebot bezogen würden…

Ich bin zuversichtlich! :)

Rita Kämmerer mitten in FavoritenRita Kämmerer

Vielen Dank, liebe Rita, für deine tollen Eindrücke an und aus Favoriten.

Euer Baron Karl

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